Aktuelle Türkei: Kehren deutsche Residenten der Türkei den Rücken?


Deutschen Residenten in der Türkei kommen zunehmend Zweifel, ob sie vor Jahren die richtige Entscheidung getroffen haben (openPR) - Seit einigen Monaten erhält die Redaktion der Aktuellen Türkei Rundschau & Prima Leben Informationen, die sich mittlerweile zu einem Trend verdichten. Es begann damit, dass Residenten zunächst ihre früher oft nur kurzen Aufenthaltszeiten in Deutschland deutlich verlängerten. Gerade in diesem Winter haben sich viele von Ihnen für mehrere Monate von Ihren Nachbarn verabschiedet.

Mittlerweile gehen bei der Redaktion immer häufiger Anfragen ein, die sich darauf beziehen, welche Regelungen zu beachten sein, wenn man als Resident der Türkei wieder den Rücken kehren wolle. Meist wird dann schnell hinzugefügt, dass dies nur eine allgemeine Frage sei, ohne konkreten Hintergrund. So habe man gehört, dass man seinen vor Jahren mit einem Spediteur eingeführten Hausrat nicht einfach wieder mitnehmen könne. Probleme gebe es sogar mit den Sachen, die man in der Türkei im Laufe der Jahre gekauft habe.

Fragen wir vorsichtig aber gezielt nach dem Grund für diese Anfrage, stellt sich heraus, dass es sehr wohl einen konkreten Anlass gibt. Nicht wenigen Residenten, die vor dem Hintergrund der allgemeinen politischen Entwicklung vor einigen Jahren den Entschluss gefasst hatten, ihren Wohnsitz in die Türkei zu verlegen, kommen mittlerweile erhebliche Zweifel, ob ihre Entscheidung richtig war.

Doch nicht nur diese Gruppe denkt intensiv darüber nach, die Türkei wieder zu verlassen. Selbst Deutsche, die schon zehn Jahre und länger in der Türkei leben, sind von den Entwicklungen in den letzten Jahren tief enttäuscht. Auf Erleichterungen habe man gehofft, doch mittlerweile sei Alles viel schlechter geworden und immer neue Barrieren würden aufgebaut, ist eine häufig geäußerte Beschreibung der derzeitigen Situation.

Hinzu kommt, dass man kaum verlässliche Informationen darüber bekommt, welche Regelungen gültig sind. Und wenn man eine Aussage erhält, ist sie oft mit dem Zusatz versehen, es könne aber sein, und dass diese Regelung in den nächsten Monaten geändert würde. Man habe gehört, dass in Ankara an neuen Regelungen gearbeitet werde.

Auch die unklare Preisgestaltung in nahezu allen Bereichen des Lebens wird mittlerweile als sehr unangenehm empfunden. Der bis heute in fast allen Reiseführern vorhandene Hinweis, in türkischen Geschäften und auf den Märkte seien orientalische Bräuche üblich, mag man nicht mehr gelten lassen. Besonders die Deutschen sind es aus ihrer Heimat gewohnt einen eindeutigen Preis genannt zu bekommen und diesen dann mit anderen Angeboten zu vergleichen.

«Man darf auch nicht übersehen, dass die Vielzahl der Moscheen, die in den letzten Jahren in der Türkei errichtet worden sind und der über kräftige Lautsprecher fünfmal am Tag verkündete Ruf des Muezzin ist für viele Europäer nicht nur ungewohnt, sondern wird auf Dauer als störend empfunden,» beschreibt Jürgen P. Fuß, Herausgeber der Aktuellen Türkei Rundschau, ein Thema, über das man in der Öffentlichkeit besser nicht spricht.

Jürgen P. Fuß, zur aktuellen Situation: «Vieles spricht dafür, dass eine größere Zahl von Deutschen nach einer Alternative zur Türkei sucht, um dort den Ruhestand zu verbringen. Man ist enttäuscht über die vielen Schwierigkeiten, von denen man oft erst erfahren hat, wenn man sich schon auf den Weg in die Türkei aufgemacht hatte oder bereits hier lebt. Doch die wenigsten Deutschen wollen wieder nach Deutschland zurück. Der Traum vom Leben in der Sonne des Südens besteht weiterhin.»

Eines steht fest. Sollte sich die seit Monaten abzeichnende Entwicklung verstärken, würde dies besonders für den Immobiliensektor eine verhängnisvolle Konsequenz haben. Schon heute stehen mehrere zehntausend Immobilien allein an der Türkischen Riviera zum Verkauf. Eine genaue Zahl ist nicht bekannt. Tatsache ist, dass einige Bürgermeister schon die Notbremse gezogen und zumindest Privatleuten verboten haben, in den Fenstern ihrer Wohnungen mit Verkaufshinweisen Plakate aufzuhängen.

Auffallend ist, dass in der deutschsprachigen Presse, die in der Türkei herausgegeben wird, die erkennbare Entwicklung durchweg tot geschwiegen werden. Fuß: «Nicht zuletzt mit Rücksicht auf die ohnehin nur kleine Zahl von Werbekunden möchte man diese unter keinen Umständen verprellen. Zumal die meisten von ihnen ohnehin aus der Immobilienbranche kommen und mit kritischen oder gar schlechten Nachrichten nicht leben können. Optimismus und schönes Wetter verbreiten ist angesagt, auch wenn dieses in keiner Weise mit der Realität übereinstimmt.»

Aktuelle Berichte zur Türkei finden Sie wie jede Woche auch diesmal wieder in der neuesten Ausgabe der Aktuellen Türkei Rundschau & Prima Leben, die am 08. November in der Türkei erschienen und ab sofort im Internet für nur ein Euro als pdf-Datei zu bestellen ist.
(atr 61208)

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