Airborne Museum Oosterbeek: 4 Millionen Euro für Modernisierung


(openPR) - Kampf um Arnheim bald aus deutscher Sicht

„Gentlemen, our situation is becoming worse“. Im nasalen Tonfall britischer Offiziere schildert General Urquhart seiner eingekesselten Truppe die Lage. Und die ist tatsächlich aussichtslos. Wie aussichtslos, das erfahren die Besucher des Airborne Museums Hartenstein in Oosterbeek bei Arnheim. Das Museum befindet sich im ehemaligen Hotel Har-tenstein, in dem die britischen Luftlandetruppen im Herbst 1944 ihr Hauptquartier eingerichtet hatten – für die berühmt gewordene Schlacht um die „Brücke von Arnheim“. Jetzt soll das Museum modernisiert und erweitert werden, inhaltlich stärker die deutsche Seite mit einbeziehen. Die Provinz Gelderland hat dafür 4 Millionen Euro zugesagt.

Der Anblick ist trügerisch: Das Hotel Hartenstein ist eine klassizistische Villa, eingebettet in einen idyllischen Landschaftspark – ein Bild, das wie eine Kulisse aus einem Rosamunde-Pilcher-Film wirkt. Stünde da nicht der Panzer unter einem Baum. Stiller Zeuge einer verbissenen Schlacht. Das Hotel gehörte zu den entscheidenden Schauplätzen der missglückten Eroberung der Arnheimer Rheinbrücke im Herbst 1944. Was in dem berühmten Film „Die Brücke von Arnheim“ dargestellt wird, hat hier tatsächlich stattgefunden. Und genau das verleiht dem Streifzug durch das heutige Museum etwas Beklemmendes. Wo Hollywoodstars wie Sean Connery, Robert Redford und Gene Hackman geschminkt wurden, durchlitten tausende Soldaten ein schauerliches Gemetzel.

Das Hotel diente den britischen Luftlandetruppen als Hauptquartier. Von hier aus wollten sie die Arnheimer Rhein-Brücke ein-nehmen und für die nachrückende Infanterie sichern. Doch der völlig unerwartet starke deutsche Widerstand machte den Plan zunichte – mit fatalen Folgen für Arnheim. Als die Stadt im April 1945 tatsächlich befreit wurde, war sie ausgestorben und nichts als eine Trümmerwüste. Im Museum sind die Kämpfe um die Brücke ausführlich dokumentiert: Dioramen, mit Tonsequenzen unterlegt, zeigen Szenen, die sich in dem Hotel abgespielt haben. Uniformen, Waffen und Ausrüstungsgegenstände sind greifbare Zeugen jener Tage. Schwarzweiß-Fotos zeigen verängstigte Soldaten in ihren Stellungen, mutlose Gefangene, erschöpfte Verwundete. Auf einem Foto hockt ein Berichterstatter mit seiner Schreibmaschine im Schützengraben – daneben hängt die Zeitung mit seinem Artikel. Fast alle Bildunterschriften nennen die Namen der abgebildeten Soldaten, deutsche wie britische und polnische. Die gezeigten Objekte sind durchgängig auch auf Deutsch beschrieben.

Aktuelle Botschaft
„Unsere Botschaft ist aktuell wie eh und je. Heute kämpfen deutsche und niederländische, britische und polnische Soldaten in Afghanistan, im früheren Jugoslawien oder in afrikanischen Ländern – unser Bezug zur Gegenwart ist allgegenwärtig“, sagt Frans Smolders, neuer Direktor des Museums. Passend zu der aktuellen Botschaft soll jetzt die Präsentation im Museum zeitgemäßer gestaltet werden. Inhaltlich will er insbesondere die deutsche Seite verstärkt einbeziehen; bisher orientiert sich das Museum sehr stark an der britischen Perspektive. Mit dem neuen Museumskonzept sollen auch mehr deutsche Besucher für das Museum interessiert werden. „Ich habe den Eindruck, deutsche Gäste schämen sich fast, hierher zu kommen“, so der Direktor. Dabei erhebe das Museum keine Anklage, sondern stelle die geschichtlichen Fakten wertungsfrei dar. Gerade für Schulen sei das Museum deshalb ein interessantes Ausflugsziel. In diesem Zusammenhang wird zurzeit deutschsprachiges Unterrichtsmaterial entwickelt. Zudem wird die Internetsite in Kürze auf Deutsch übersetzt.

Konkret will die Direktion das Museum auf vier Ebenen modernisieren. Zunächst soll das historische Zeitfenster verbreitert werden. Bislang beschränkt sich die Darstellung auf die Zeit vom 17. bis 26. September 1944. Künftig sollen auch die Folgen der missglückten Operation Market Garden beleuchtet werden: die Zerstörung Arnheims durch die Besatzer, die Flucht und Vertreibung der Bürger aus der Stadt, die spätere Bombardierung der deutschen Grenzstädte, die Verlängerung des Krieges insgesamt – ohne „Deutschlands letzten Sieg“ wäre der Krieg viel schneller beendet worden.

Aus diesem Ansatz ergibt sich eine neue Einteilung des Museums. „Die Geschichte liefert die perfekte Vorlage für eine thematische Darstellung“, so Smolders. Dadurch soll die bisherige chronologische Aufarbeitung ersetzt werden. Als Beispiel nennt er das Thema „Kriegsberichterstattung“: „Damals waren die ersten „embedded“ Reporter an der Front – auch heute noch ein aktuelles Thema.“

Persönliche Note
Gleichzeitig sollen die Ereignisse persönlicher erzählt werden. Dutzende Tagebücher und Briefe schlummern im Archiv des Museums – Zeugnisse einer Krankenschwester, eines Bäckers oder eines Tankwarts. „Wir wollen die militärischen Ereignisse mit einer persönlichen Note versehen“, so Smolders.

Letztlich soll auch die Umgebung des Museums in die neue Präsentation einbezogen werden. Am Treppengeländer sind noch Einschussspuren zu entdecken, die Bäume der Umgebung zeigen Narben von Kugeln und Granatsplittern. In das direkte Umfeld soll auch ein Erweiterungsbau eingebettet werden.

Umgesetzt werden sollen die Neuerungen schrittweise in den kommenden Jahren. Bis 2009, der Gedenkfeier zum 65. Jahrestag der Kämpfe, soll die Modernisierung abgeschlossen sein. Erster Schritt: die Suche nach Sponsoren, die das Unterfangen unterstützen. Die Provinz Gelderland hat bereits vier Millionen Euro zugesagt.

Die Operation „Market Garden“
Im Herbst 1944 hofften die Alliierten, den Zweiten Weltkrieg bis Weihnachten beenden zu können. Nachschubprobleme jedoch ließen ihren Vormarsch ins Stocken geraten. In dieser Lage ent-wickelte Feldmarschall Montgomery einen gewagten Plan: Mit einem Streich wollte er mehrere Brücken einnehmen – und somit den Alliierten freien Zugang nach Norddeutschland und ins Ruhrgebiet verschaffen. Im Rahmen der Operation „Market Garden“ sprangen Zehntausende Fallschirmjäger über den Niederlanden ab, die alle wichtigen Brücken zwischen der belgischen Grenze und Arnheim erobern sollten, bis die Unterstützung durch Infanterie und Panzer eintraf. Bis Nimwegen glückte die Aktion, in Arnheim aber scheiterte das Unternehmen am völlig unerwartet starken deutschen Widerstand.

Informationen: www.airbornemuseum.nl

Airborne Museum Hartenstein
Utrechtseweg 232
6862 AZ Oosterbeek
Tel. 0031 - 26 - 3337710
Fax 0031 - 26 - 3391785
E-Mail: info@airbornemuseum.nl
www.airbornemuseum.nl

Geöffnet:
November bis April:
Mo-Sa 11-17 Uhr, So 12-17 Uhr
April bis November:
Mo-Sa 10-17 Uhr, So 12-17 Uhr.

Eintrittspreise (ab 2007):
Erwachsene: 5.50 Euro
Gruppen ab 20 Personen: 4,50 Euro p.P.

Jugendliche bis 16 Jahre: 3,50 Euro
Gruppen Kinder und Jugendliche: 3,00 Euro p.P.

„Battlefield“-Tour inklusive Museumsbesuch: 150,- Euro
(Anreise per Bus auf eigene Kosten)

Programm für Schüler
Tipp für den klassischen „Wandertag“: Das Airborne Museum in Oosterbeek bietet eine Kombination aus Museumsbesuch und „Battlefield“-.Tour an. Speziell ausgebildete Fremdenführer begleiten die Schüler zu den Schauplätzen der Kämpfe um die „Brücke von Arnheim“ – und verdeutlichen unterwegs den Zusammenhang zwischen jener Schlacht und der Gegenwart. Wäre die Aktion „Market Garden“ geglückt, so hätten die Alliierten später nicht die deutschen Grenzstädte bombardiert – noch heute müssen immer wieder zentnerschwere Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft werden. Das Museum bereitet zurzeit deutschsprachige Materialien für den Unterricht vor.
Fragen? E-Mail an info@airbornemuseum.nl

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