Aktuelle Türkei: Türkei zu Umweltbewusstsein zwingen


Ilisu-Staudamm - Fortschritt um jeden Preis? (Bild: Wikipedia) (openPR) - Mit einem gigantischen Stauwerk-Projekt - dem Ilisu-Staudamm - im Südosten des Landes will die türkischen Regierung langfristig und nachhaltig die Energieversorgung nachhaltig verbessern. Der rund 130 Meter hohe und fast zwei Kilometer breite Staudamm, mit das Wasser des Tigris in der Nähe des türkischen Dorfes Ilisu aufgestaut werden soll, soll im Jahr 2013 fertiggestellt sein.

Doch die durch dieses Projekt verursacht sozialen, ökologischen und historischen Stätten sind unübersehbar und in ihrer langfristigen Folgen kaum abzuschätzen.
Mit der Realisierung des Projektes müssten mehrere zehntausend überwiegend kurdisch-stämmige Menschen ihre Dörfer und Städte verlassen.

«Sie verlieren nicht nur ihre Heimat, sondern auch ihre Lebensgrundlage, ohne eine vollständige Entschädigung seitens der türkischen Regierung erwarten zu können,» sagt dazu Heike Drillisch von der Organisation Weltwirtschaft, Ökologie und Entwicklung WEED. Auch die historische Stadt Hasankeyf mit ihren alten Brücken, Höhlen und Grabmälern würden für alle Zeiten in dem See versinken.

Aber obwohl der türkische Ministerpräsident vor kurzem den Grundstein für den Bau des Staudamms gelegt hat, ist noch nicht sicher, ob er wirklich gebaut wird. Denn zur Finanzierung der Baukosten in Höhe von derzeit geschätzten 1,2 Mrd. Euro sind internationale Kreditbürgschaften notwendig, unter anderem auch eine deutsche Hermes-Bürgschaft.

Genau an dieser Stelle sehen deutsche Umweltschutzverbände noch einen letzten Hebel, um das Projekt in eine sozial-, kulturhistorisch und umweltverträgliche Richtung umzudirigieren. Der Naturschutzbund NABU, die Umweltstiftung WWF und die Entwicklungsorganisation WEED haben die Bundesregierung deshalb aufgefordert, keine Hermes-Bürgschaft für das am Bau des umstrittenen Ilisu-Staudamms beteiligten deutschen Bauunternehmens Züblin AG zu gewähren.

Auch in der Türkei selbst gibt es mittlerweile Kräfte, die die Realisierung des Staudamm-Projektes in der jetzigen Form ablehnen. So hat der konservative Abgeordneten Muharrem Doan nach einem Bericht der türkischen Zeitung Hürryet als Alternative vorgeschlagen, das Wasser nur bis auf 479 Metern (statt der ursprünglich geplanten 510 Meter) über dem Meeresspiegel aufzustauen.

Durch den dann nur rund einhundert Meter hohen Staudamm könnte die Stadt Hasankeyf mit ihren alten Brücken, Höhlen und Grabmälern gerettet werden. Der Haken an der Sache: die Staudamm-Betreiber müssten bei der Energieerzeugung eine Einbuße von 15 Prozent hinnehmen, was nach derzeitiger Rechnung rund 35 Millionen Euro Mindereinnahmen pro Jahr bedeuten würde. Bleibt also abzuwarten, was in den nächsten Wochen und Monaten geschehen wird.

Vor diesem Hintergrund veröffentlichten die Herausgeber der AKTUELLE TÜRKEI RUNDSCHAU & PRIMA LEBEN vor kurzem einen Kommentar. Darin hieß es: «Des Leben ist voller Überraschungen und manchmal ist es besser, über Dinge nicht nachzudenken, weil man sie nicht verstehen kann. Kein Prospekt und kein Reiseführer über die Türkei, in dem nicht eindringlich davor gewarnt wird, Steine oder Gegenstände, die als historisch angesehen werden könnten, aus der Türkei auszuführen. Zu wertvoll sind diese Zeugen der Geschichte, als dass sich das Land durch ahnungslose Touristen oder auch clevere Geschäftsleute um diese Dinge berauben lassen möchte. Hohe Gefängnisstrafen drohen denen, die gegen die Gesetze verstoßen.

Doch dann ist man sehr verwundert, wie im Interesse des „Fortschrittes“ ein riesiger Staudamm errichtet werden soll, in dessen Fluten eine ganze Stadt von unglaublicher geschichtlicher Bedeutung versinken soll. Ist es erlaubt nachzurechen, wie viele Touristen in welcher Zeit wie viele Steine außer Landes bringen müssten, um das auf zu wiegen, was in diesem Stausee für alle Zeiten verschwinden soll?

Noch ist es für die internationale Gemeinschaft und natürlich den türkischen Staat nicht zu spät, Korrekturen an dem geplanten Projekt vorzunehmen.»

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Dieser Artikel wurde veröffentlicht auf OpenPR